„Rote Flora“

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 Linksautonomes Zentrum in Hamburg

Widerstandsnest „Rote Flora“: Wie sich Deutschlands Linksextreme finanzieren

 

Seit 28 Jahren ist die „Rote Flora“ im Schanzenviertel, ein Zentrum des Anti-G20-Protests, nun schon von Linksautonomen besetzt
FOCUS Online/Wochit

Sie geben sich sozial, doch wenn es zu Demonstrationen kommt, mutieren sie zu Widerstandsnestern und Rückzugszonen für Chaoten: Linke Sozialzentren wie die Rote Flora in Hamburg sind bei der Polizei gefürchtet. Wer finanziert diesen Widerstand? Wem gehört die Immobilie? Und welche Rolle spielt der Staat?

Quelle: „Rote Flora“: Wie die Linksextremen ihr Widerstandsnest finanzieren – FOCUS Online

Sie geben sich sozial, doch wenn es zu Demonstrationen kommt, mutieren sie zu Widerstandsnestern und Rückzugszonen für Chaoten: Linke Sozialzentren wie die Rote Flora in Hamburg sind bei der Polizei gefürchtet. Wer finanziert diesen Widerstand? Wem gehört die Immobilie? Und welche Rolle spielt der Staat?

Im Herzen Hamburgs liegt das Schanzenviertel. Es war lange Jahre ein linksorientiertes, alternatives Altbauviertel mit günstigen Mieten, ist über die Jahre aber stark gentrifiziert worden. Heute ist der Bezirk geprägt von sanierten Häusern mit entsprechend hohen Mieten, gut verdienenden Kreativen, Kneipen, Bars, szenigen Plattenläden und Boutiquen.

Aber es gibt eine Ausnahme: An der zentralen Straße Schulterblatt dominiert unübersehbar das linksautonome Kulturzentrum „Rote Flora“.

Bei dem seit fast 30 Jahren besetzten ehemaligen Theatergebäude  handelt es sich nicht um ein Wohnprojekt, wie etwa in der Hafenstraße oder die Rigaer Straße 94 in Berlin. Dennoch gilt die „Flora“ als eines der wichtigsten Zentren der autonomen Szene in Deutschland. Zwar ist das Gebäude am 1. Mai stets geschlossen, dennoch entbrennen dort am Tag der Arbeit regelmäßig Krawalle, die den Linksautonomen zugeschrieben werden. Das Zentrum stand auch hinter der „Welcome to Hell“-Demonstration tausender Linksautonomer, bei der es am Donnerstagabend vor Beginn des G20-Gipfels massive Ausschreitungen gegeben hatte.

Ein Linksautonomer mit Bengalos auf dem Dach der Roten Flora in Hamburg.
Foto: dpa/Axel Heimken

Wem gehört das Haus?

Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Es diente als Theater, beherbergte ein Haushaltswarengeschäft und blieb sogar im Bombenhagel, der weite Teile der Hansestadt während des 2. Weltkriegs in Schutt und Asche legte, fast unbeschädigt. Nach ständig wechselnden Eigentümern, zu denen zwischenzeitlich auch die Stadt Hamburg gehörte, wurde das Haus Ende Oktober 2014 für 820.000 Euro an die städtische Lawaetz-Stiftung verkauft. Sie verwaltet die „Rote Flora“ seither treuhänderisch für die Stadt.

Allerdings nimmt die Stiftung auf die Nutzung des Gebäudes ausdrücklich keinen Einfluss. Die überlässt sie den „Besatzern“: Ende der 1980er Jahre, als das Gebäude in ein Musical-Theater verwandelt werden sollte, regte sich Widerstand bei den Anwohnern. Sie fürchteten steigende Mieten. Schließlich kaperte eine Gruppe von Linksautonomen das Haus. Die bestimmen seither in einer Art Selbstverwaltung, was in den Räumen der Roten Flora geschieht – und kommen auch für die laufenden Kosten für das Gebäude und seine Nutzung auf. Die Arbeiten am Gebäude übernehmen dabei immer wieder Wandergesellen aus Deutschland und anderen Ländern, die diese Arbeiten, genauso wie die Autonomen selbst, unentgeltlich ausführen.

Wie finanziert sich die Rote Flora?

„Bezahlte Stellen gibt es in der Flora nicht. Die Strukturen sind so angelegt, dass in der Flora ehrenamtlich gearbeitet wird, damit keine Hierarchisierung der verschiedenen Tätigkeiten stattfindet“, heißt es auf einer Internetseite, die über die Aktivitäten in der Roten Flora informiert.

Dennoch fallen selbstverständlich Kosten für den laufenden Betrieb sowie die Instandhaltung des Gebäudes und Umbauten an. Ganz zu schweigen von den diversen Veranstaltungen, die auf dem Areal täglich stattfinden. Sportgruppen, Fahrrad- und Motorradwerkstätten, eine Siebdruckwerkstatt, verschiedene Bar- und Café-Veranstaltungen, eine „Volxküche“ und ein „Archiv der sozialen Bewegungen“ sind in der Roten Flora untergekommen.

Diese laut eigener Aussage „nicht-kommerziellen“ Veranstaltungen spielen gleichzeitig eine zentrale Rolle in der Finanzierung der Besatzer: Durch Eintrittspreise für Konzerte von Künstlern, die unentgeltlich auftreten, oder den Verkauf von Getränken erwirtschaften die Linksautonomen einen Großteil des Budgets.

Hinzu kommen Spenden an einen Förderverein, der 1993 nach heftigen internen Diskussionen gegründet wurde, oder Crowd-Funding-Projekte etwa vom benachbarten Fußballverein FC St. Pauli.

Über die Verwendung der Gelder, wie auch über alle anderen Fragen zu den Aktivitäten in der Roten Flora, entscheidet das sogenannte Plenum: Eine dem Selbstverständnis nach lose Zusammenkunft von Individuen, die sich dem Staat und seinen Hierarchie- und Herrschaftsinstrumenten entziehen wollen.

Eine Sache, die uns Hoffnung macht

Das Bundesamt für Verfassungsschutz bietet für Mitglieder der linksextremistischen Szene ein Aussteigerprogramm an. Das Programm „bestärkt sie in ihrer Entscheidung und unterstützt sie bei weiteren Schritten, sich aus dem linksextremistischen, insbesondere gewaltbereiten Umfeld zu lösen“, heißt es dazu auf der Homepage. Das Bundesamt sichert allen, die sich melden, Vertraulichkeit zu. Interessenten können sich rund um die Uhr  telefonisch unter 0221 / 792-6600 sowie per E-Mail  melden.

Wie viel genau die Linksautonomen in der Roten Flora einnehmen und über die Jahre eingenommen haben, weiß niemand. Kritiker monieren, es habe sich eine Millionensumme angesammelt, die Gelder würden am Finanzamt vorbeigeschleust. Die Hamburger Finanzbehörde konnte das gegenüber FOCUS Online allerdings nicht bestätigen. Die Aktivisten selbst sagen, alle Erlöse würden an politische und kulturelle Vereine gespendet. Nur ein kleiner Teil des Geldes werde für laufende Kosten und weniger ertragreiche Veranstaltungen genutzt. Der Förderverein wiederum hat seine Gelder bislang nicht offengelegt.

Welche Rolle spielt der Staat?

Aus der Finanzierung halten sich Bund und die Stadt Hamburg heraus – dies würde ohnehin den eigenen Ansprüchen der Linksautonomen widersprechen. So wird sogar die Lawaetz-Stiftung, die die Extremisten frei gewähren lässt, von diesen als „Teil des Systems“ abgelehnt, einen Mietvertrag gibt es nicht. „Uns ist egal, wem die Rote Flora gehört“, hatten die Anarchisten schon früher erklärt.

Gleichzeitig aber ist der Förderverein der Roten Flora staatlich anerkannt. Das bedeutet, dass Spenden an die Unterstützer steuerlich absetzbar sind.

Die Besetzung der Roten Flora wird sich demnächst zum 30. Mal jähren, eine Räumung des Gebäudes war bis zum G20-Gipfel praktisch nicht mehr für möglich gehalten worden: Aus der vorläufigen Duldung hatte sich eine inoffizielle Anerkennung der Roten Flora als Institution entwickelt. Die Aktivisten selber gehen davon aus, dass sie inzwischen aufgrund des Gewohnheitsrechts im Falle einer Räumung herausgeklagt werden müssten.

Für viele Hamburger – nicht nur im Schanzenviertel – gehört die Rote Flora jedenfalls längst zum Stadtbild dazu. Und wer dort ein Konzert oder eine Techno-Party besucht, weiß inzwischen auch, was er oder sie mit seinem Kapital finanziert.

mit Agenturmaterial

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